Die Tamariske in der Bibel

Eher zufällig bin ich bei den Recherchen zur neuen Seite Bibelpflanzen in Franks Pflanzenlexikon über einen Text von Dr. Ludwig Reinhardt in „Die Kulturgeschichte der Nutzpflanzen“ Band 1 von 1911 gestolpert. Was ich verkürzt auf einer Seite über Bibelgärten gefunden hatte, wird dort genauer und wohl auch richtiger beschrieben.

Auch an anderer Stelle der Bibel wird  die Tamariske erwähnt. Interessanter aber ist die Passage in  im 2. Buch  Mose 16,11-15. “ … Am Morgen lag eine Schicht von Tau rings um das Lager. Als sich die Tauschicht gehoben hatte, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde. Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Mose zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.“

Hier geht es um die relativ bekannte Geschichte vom Brot, das vom Himmel fiel und den Israeliten während ihrer 40-jährigen Wanderschaft durch die Wüste als Speise diente, auch als Manna bekannt.

Ein Erklärungsversuch, der uns damals  im Religionsunterricht  unwissentlich oder absichtlich verschwiegen wird, ist der  von Dr. Reinhardt  auf Seite 436/437 beschriebene:

„Eine natürliche Zuckerart, die statt Traubenzucker Mannit enthält ist das Manna, das den bei ihrer Wanderung durch die Wüste zu verhungern drohenden Juden vom Himmel herabgefallen sein soll. Als für Sie unvorhergesehene Himmelsgabe fanden sie es an einem Sommermorgen, als ihr Hunger aufs höchste gestiegen war, unter den Tamariskenbüschen, welche in den Tälern des Sinai, die sie durchzogen, heute noch in Mengen wachsen. Diese etwa 7 m hoch werdende Mannatamariske  (Tamarix mannifera) produziert diesen Süßstoff spontan nach dem Stiche einer bestimmten kleinen Schildlaus (Coccus manniparus). diese Tamariskenart ist eine nahe Verwandte der fränkischen Tamariske, welche aber nur am Sinai und im steinigen Arabien, wo sie ganze Wälder bildet, jene glänzendweißen, honigsüßen Tropfen in der heißesten Zeit, im  Juni und Juli, von den von der betreffenden Schildlaus angestochenen Zweigen herabträufeln läßt. Nur vor aufgang der Sonne aufgelesen sind sie von der Kühle der Nacht noch in festem Zustand  und werden seit Urzeiten von den umwohnenden Araberstämmen in lederne Schläuche gesammelt und müssen dann sofort an einem kühlen Ort aufbewahrt werden. Die Araber welche sie als „man“ bezeichnen, woraus die Juden das Wort „manna“ bildeten, sammeln davon am Sinai jährlich etwa 250 kg und verzehren sie als ihren bevorzugten Leckerbissen mit Brot. Sie sagen es sei süßer als Honig und geben ihn kaum je an Fremde ab. Nun sammeln auch die Mönche des St. Katharinenklosters am Sinai davon in lederne Schläuche und benutzen es als Süßstoff teils selbst, teils verkaufen sie es für teures Geld an die gläubigen Pilger, die den Sinai und den Serbal,dem Berge der Gesetzgebung besuchen. „

Im folgenden beschreibt Reinhardt dann noch die ebenfalls im Nahen Osten vorkommende Blumenesche (Fraxinus ornus) bei der dies auf ähnliche Weise geschieht, aus der aber auch gezielt durch Kreuzschnitte Zucker gewonnen wird. Auch das bekannte Beispiel des Zuckerahorns (Acer sacccharinum) beschreibt er in dem Kapitel.

Verschiedene Quellen im Netz geben die Honigtauausscheidungen der Schildlaus als Quelle des Zuckers an, andere bestätigen Reinhardts Version.  Welche Version die richtigere ist kann hier nicht abschließend geklärt werden.

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6 Kommentare zu “Die Tamariske in der Bibel

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