Ein besonderer Ort

Wenn am 07.03. diesen Jahres zum 5. Male die Ausstellung Cloppenburger Frühling ihre Pforten öffnet, trifft  in der Münsterland moderne Gartengestaltung auf einen Veranstaltungsort mit ganz eigener Geschichte.  Die  rustikale  Münsterlandhalle hat schon einige Jahre auf dem Buckel und entspricht in vielerlei Hinsicht sicher nicht mehr heutigen Ansprüchen an eine moderne Mehrzweckhalle. Umso mehr verfügt sie über einen ganz eigenen Charme und eine lange Geschichte.  1929 erbaut diente die Halle lange Zeit als Markt- und Veranstaltungshalle.  Viehmärkte aber auch politische Kundgebungen waren  ein wichtiger Bestandteil ihrer Nutzung. Ein kurzer Rückblick auf diese politischen Veranstaltungen, ohne sie abschließend bewerten zu wollen  sei mir an dieser Stelle gestattet, auch wenn sie mit der aktuellen Veranstaltung nichts zu tun haben.

 1931/32 nutzten Reichskanzler Brüning und der spätere Diktator Adolf Hitler die Halle für ihre Wahlkampfkundgebungen.  Über den Verlauf dieser Veranstaltungen ist leider wenig bekannt. Während der Zentrumspolitiker Brüning im katholischen Oldenburger Münsterland hier wohl eher ein Heimspiel hatte, dürfte die Situation für Hitler deutlich schwieriger gewesen sein.

Mit Recht darf behauptet werden, dass die Münsterlandhalle in damaliger Zeit der zentrale Veranstaltungsort für politische Kundgebungen im Oldenburger Münsterland war. Auf dem Höhepunkt des Kreuzkampfes, in dem es um den Erhalt der Bekenntnisschulen ging sprach hier am 25.11. 1936 der Oldenburger Gauleiter Röver vor etwa 7000 Südoldenburgern die aus der gesamten Region angereist waren.   Anlass dieser Veranstaltung war der am 4. 11. vom nationalsozialischen Minister Pauly herausgebene Erlass, der befahl die Kreuze und Lutherbilder aus den Klassenräumen zu entfernen.   Der Erlass hatte, angeführt vom Vechtaer Offizial Vorwerk und vielen Geistlichen zu einem breit angelegtem Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den Kreisen Vechta und Cloppenburg geführt. Durch die entstandene Unruhe sah sich der Oldenburger Gauleiter Röver gezwungen, selbst in die Region zu reisen.

Mit Hilfe der eilends herbeigeorderten Parteimitglieder sollte die Kundgebung in der Münsterlandhalle zu einem Vertrauensbeweis für die nationalsozialistische Regierung werden. Doch es kam ganz anders. Seine Rede wurde trotz der Anwesenheit von SA- Schlägern aus Ostfriesland ständig mit Zwischenrufen wie “ Zur Sache- das Kreuz“ unterbrochen.  Unter dem Druck der Massen musste Röver am Ende seiner Rede schließlich den Passus über die Entfernung der Kreuze zurücknehmen. Damit hatte die einzige Volkserhebung während der NS- Diktatur zumindest zu einem symbolträchtigen Teilerfolg geführt. Die Politik, den Einfluss der Kirchen auf die Schulen zurückzudrängen, fand zwar in den Folgejahren ihre Fortsetzung, die teilweise Rücknahme eines Erlasses auf Druck der Bevölkerung jedoch behielt als einmaliger Vorgang  ihre Bedeutung.

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