Lust,Frust und nix Besonderes

Die Voraussetzungen  für meinen abendlichen Rundgang waren nicht optimal.  Fast auf den letzten Drücker zeigte sich zwar noch einmal die Sonne, doch kaum hatte ich Kamera und Stativ zusammengerafft, war sie auch schon wieder verschwunden. Brillante Bilder konnte ich also nicht erwarten. Daher machte ich mir auch gar nicht erst die Mühe den Schmetterlingsarten von denen ich schon zahlreiche Fotos hatte hinterherzujagen. Das Große Ochsenauge und der Kleine Fuchs flogen mir zwar förmlich um die Nase herum aber an weiteren mittelmäßigen Aufnahmen hatte ich kein Interesse. Mit einer gewissen Müdigkeit und Lustlosigkeit nach einem arbeitsreichen Tag ging ich an ihnen vorüber.  Auch in Sachen Botanik fiel mir nichts Neues oder Berichtenswertes auf.  Ein paar Käfer kreutzten noch meinen Weg, das Licht wurde besser, doch dann  zeigte sich die neue Kamera von ihrer zickigen Seite. Der eingelegte Akku schien schon jetzt seine Macken zu haben und musste getauscht werden.  Also ging ich zurück ins Haus,  legte den anderen Akku ein und nahm einen neuen Anlauf. Dass die Sonne nun wieder hinter den Wolken verschwand war schon fast vorauszusehen. Kurze Zeit später präsentierte sich der Distelbock in gutem Licht und hielt für ein paar Aufnahmen still. Dieser imposante Käfer  hat es mir zwar persönlich sehr angetan, aber er ist eben auch nicht das Highlight das Stoff für Geschichten liefert.  Man kann nicht jeden Tag  Fotografenglück haben , dachte ich mir und ging auch an den zahllosen Hufeisenazurjungfern achtlos vorüber. Dann sah ich noch eine weitere Libelle. Ob es sich lohnen würde gegen die Lichtverhältnisse anzukämpfen ? Wahrscheinlich war es doch wieder „nur“ eine ganz gewöhnliche Allerweltslibelle, die ich nur aufgrund einer etwas abweichenden Färbung nicht erkannt hatte. Mit der Bestimmung von Libellen hab ich nämlich so meine liebe Not.

Nun denn, die Aufnahmen waren gemacht, das wenige was ich hatte reduzierte sich bei der Bearbeitung noch weiter, aber für ein paar Posts in den entsprechenden Facebookgruppen reichte es gerade noch.  Umso erstaunter war ich über die Reaktionen. Das Foto des Distelbocks wurde gelobt und  ein Arbeitskollege schickte mir in einer Nachricht das  Bild eines Hirschkäfers, den er in seinem Garten gefunden hatte. Womöglich hatte ich also mit den Fotos der letzten Zeit den ein oder anderen animiert, die Augen in der Natur offen zu halten.

Was aber dann folgte, war eine faustdicke Überraschung für mich. Die Libelle, die ich mit „Nix Besonderes“ tituliert  hatte, entpuppte sich nach einhelliger Expertenmeinung als Südliche Binsenjungfer. Eine Libellenart die in Südeuropa häufiger vorkommt, in Deutschland jedoch als stark gefährdet gilt ! Eine Rote Liste Art in meinem Biotop, der abendliche Rundgang hatte sich also doch gelohnt.

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8 Kommentare zu “Lust,Frust und nix Besonderes

  1. Ich finde die Libellen zauberhaft, an meinem Teich sind ja auch immer welche, aber mit der Bestimmung hapert es. Da muss ich mich doch auf Fotosafari machen. lg Maries

  2. Das ist ja wirklich besonders und sehr erfreulich! So eine gefährdete und hier nicht oft zu findende Libelle bei dir in deinem Gartenreich! Das Umfeld muss ihr sehr gefallen und ihren Erfordernissen sehr entgegenkommen.
    Libellen kann ich auch nur sehr schwer bestimmen, was mit daran liegt, dass ich sie in der Stadt selten sehe. Nur in Bach- oder Teichnähe, in Parks mit Wasserbereichen etc. Die dort am häufigsten anzutreffenden drei bis vier Arten kann ich mir so langsam merken. ^^

    LG Michèle

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