Biblisches und botanisches

Die Liste der christlichen Feste, die sich in Pflanzennamen wiederspiegeln ist lang. Man denke nur an Christrose, Weihnachtsstern, Pfingstrose, Osterglocke und Christusdorn. Aber auch die Namen von Heiligen und biblischen Bösewichten finden sich in Gartenbau und Botanik wieder. Mariendistel, Barbarazweig, Teufelsspazierstock und Judastaler sind einige Beispiele.  Weit mehr als heute orientierten sich die Menschen der vergangenen Jahrhunderte an religiösen Feiertagen. Schon vor der Christianisierung  waren die den Göttern geweihten Festtage Fixpunkte, die für den Anbau der Pflanzen Bedeutung hatten. Zur Zeit der Sommersonnenwende am 21. Juli flocht man sich Kränze aus dem Tüpfelhartheu, welches zu diesem Zeitpunkt geerntet werden musste. Die Pflanze, deren Inhaltsstoffe auch heute noch in der Nervenheilkunde eine Rolle spielen, galt schon zu jener Zeit als Heilpflanze.

Johannistag

Mit dem Einzug des Christentums wurden die Bräuche zum Fest der Sommersonnenwende verdrängt oder gingen auf den Johannistag am 21.Juni über. Kein Wunder also, dass für das Tüpfelhartheu der Name Johanniskraut geläufiger wurde.

Eine fromme Legende zur Entstehung dieses wundersamen Krautes war schnell gefunden. Aus Christi Blut sollte es entstanden sein, da Johannes das Kraut unter dem Kreuz Jesu gefunden haben soll. Der blutrote Pflanzensaft, der beim Zerdrücken der Blütenknospen heraustritt, war der sichtbare Beweis für die Legende. Eine andere besagt, dass der Teufel aus Wut über seine Machtlosigkeit gegen die Heilkraft des Johanniskraut dessen Blätter mit seinem Dreizack durchlöchert habe. Wie wir heute wissen, handelt es sich bei den scheinbaren Löchern jedoch um die Öldrüsen dieser Pflanze. Der Johannistag wurde dennoch zu einem wichtigen Termin im Gartenkalender. Die Spargelernte endet klassisch an diesem Tag und die Johannisbeere, die ihre Früchte um diesen Termin trägt, erhielt  ihren Namen nach Johannes dem Täufer.

Sieben Schläfer

Ein wichtiger Lostag an dem sich die Wettererentwicklung ablesen lassen sollte, ist der 27. Juni. Fälschlicherweise wird dieser Tag heute gern mit dem Tier Siebenschläfer in Verbindung gebracht. Warum jedoch sollte es für den kleinen Nager einen festen Gedenktag geben? In Wahrheit erinnert  dieser Tag an eine heute fast vergessenen christlichen Legende. Über 200 Jahre nämlich sollen die sieben Schläfer von Ephesus, in einer Höhle geschlafen haben. Dort hatten sie zur Zeit der Christenverfolgung nämlich Zuflucht gefunden. Allerdings wurde Ihr Versteck verraten und die Höhle von ihren Verfolgern mit einem schweren Stein verschlossen. Doch sie überlebten und wurden gerettet. Der Sieben-Schläfer-Tag war fortan Stichtag für Wetterprognosen.

Jakobs-Kreuzkraut

Obwohl sie schon ab Mitte Juni blüht, liegt die Hauptblütezeit dieser für Nutztiere sehr gefährlichen Pflanze um den 25. Juli. Wieder ist hier ein Heiliger namensgebend für eine Pflanze, die in der Landwirtschaft eine Bedeutung hat, wenn auch eine negative. Diesmal ist es Jakobus der Ältere. Der Name des Jakobskrautbären (Tyria jacobaeae) wiederum bezieht sich auf das Jakobs-Kreutzkraut, das diesem Schmetterling zur Eiablage dient.

Auch Jakobi ist in Landwirtschaft und Gartenbau ein klassischer Lostag. „Jakobi heiß – lohnt Müh‘ und Fleiß.“ und „Jakobi klar und rein, wird’s Christfest frostig sein.“ sind nur zwei der Bauernregeln die sich auf diesen Tag beziehen. Auch die Getreideernte begann früher an diesem Tag. All diese Pflanzen finden sich heute in den Bibelgärten einiger Klöster wieder. In der Rubrik Bibelpflanzen  haben wir einige weitere aufgeführt.

 

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5 Kommentare zu “Biblisches und botanisches

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