Der Garten von Hermann Hesse

Gaienhofen Am Bodensee. Dieser kleine Ort am nordwestlichen Ende auf der Halbinsel Höri mit seinen verwöhnten klimatischen Verhältnissen erscheint an sich nicht so besonders interessant. 2003 sollte hier ein altes Haus abgerissen, und das Grundstück neu überbaut werden. Auch das wirkt nun noch nicht so sensationell.

Der Garten von Hermann Hesse
Foto: Ferd. Graf v. Luckner

Den Namen Hermann Hesse kennt wohl jeder. Gelesen haben ihn Viele. Weltweit zählt er sogar zu den meistgelesenen deutschen Autoren. Die Wenigsten jedoch wissen, dass der berühmte Schriftsteller begeisterter Gartenliebhaber war, jedenfalls eine Zeitlang.

Von der Wiederentdeckung einer verlorenen Welt

Hesse erwarb sich 1907 ein Grundstück. Zusammen mit seiner Frau Mia, plante und begann er anzulegen. So wuchsen Gemüse- und Blumenbeete und nach einer Erweiterung ein Obstgarten und mehr Beete zu einer ansehnlichen Gesamtanlage.

Nun wäre die Anlage nebst Wohnhaus 2003 wohl gänzlich verschwunden, und irgendwann hätte niemand mehr von der Geschichte gewusst, wenn nicht die Autorin des vorliegenden Buches und Bildbandes dieses Schicksal aufgehalten hätte.

Der Garten von Hermann Hesse
hist. Aufnahmen aus dem Buch

Die hier aufgewachsene Eva Eberwein wusste um die Bedeutung und entschied, das Andenken zu bewahren, und so wurden Haus und Grundstück mit seinen verwöhnten klimatischen Verhältnissen gekauft und aufwändig renoviert.

Zusammen mit dem Fotografen Ferdinand Graf von Luckner nimmt die Autorin den Leser mit in die Welt Hermann Hesses und führt ihn, beginnend mit ihrer eigenen Kindheit, Stück für Stück an einzelne Abschnitte und Komponenten des Gartens.

Der Garten von Hermann Hesse
hist. Aufnahmen aus dem Buch, neue Fotos: Ferd. Graf v. Luckner

Einfühlsam und liebevoll werden wir an Orte im Garten und in der Seele des Schriftstellers geführt. Und schnell erkennen wir, wie zwar behutsam aber doch entschieden Eva Eberwein sich an diese schon fast versunkene Welt herangetastet und sie wieder gestaltet hat.

Mit Hesse durch den Schattengarten

„Stets hat es mich gefreut und mir imponiert, mit welcher Zähigkeit meine kleine Buche ihre Blätter festhält (…) Und jetzt, heute, während ich bei sanfter windstiller Wärme bei meinem Fenster stand und Holz brach, sah ich es geschehen: es erhob sich ein leiser sanfter  Windhauch, ein Atemzug nur,  und zu Hunderten und Tausenden wehten die so lang gesparten Blätter dahin (…) „

Der Garten von Hermann Hesse
hist. Aufnahmen aus dem Buch, neue Fotos: Ferd. Graf v. Luckner

Es ist ein Erlebnis, sowohl für den literarisch, als auch den garteninteressierten Leser sich durch „Schattengarten“ und „Kastanienplatz“, vorbei an „Dunghaufen“ und „Grenzhecke“ durch diese Welt zu tasten und sie zu entdecken.

Es macht Freude, sich sein eigenes Bild zu schaffen, geführt von den Worten der Autorin, den eingestreuten Gedanken Hesses, den vielen historischen Aufnahmen und den sensiblen Fotografien Luckners.

Der Garten von Hermann HesseFazit

Man könnte sagen, es sei eine Hommage, aber das würde es nicht eigentlich treffen. Das Buch ist viel mehr. Es ist z.B. die Verbindung zwischen der Welt Herman Hesses, und zwar genau dieser kleinen Welt vor mehr als 100 Jahren hier am Bodensee und der heutigen Welt einer gartenbegeisterten Autorin. Es ist z.B. auch die gelungene Liebeserklärung an eine besondere Landschaft, ihrer Menschen und die Annäherung an den Charakter eines nach dem Paradies suchenden Hermann Hesse. Und es ist ganz sicher ein lesenswertes, gelungenes Buch.

Info

  • DER GARTEN VON HERMANN HESSE – Von der Wiederentdeckung einer verlorenen Welt
  • Autorin Eva Eberwein, Fotos: Ferd. Graf v. Luckner, Okt. 2016
  • Verlagsgruppe Random House; DVA, ISBN 978-3-421-04034-3
  • Gebundenes Buch, Pappband, ca. 160 Seiten, 23,0 x 25,0 cm
    Mit 103 Farbfotos, 23 s/w-Fotos und 10 Plänen
  • Preis: 29,99 Euro

Der Garten von Hermann Hesse was originally published on GARTEN NETZ WERK

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